1 Stück Geschichte

Steiff, ein Stück Geschichte 

Apollonia Margarete "Gretle" Steiff wurde am 24. Juli 1847 (einem Samstag) als 3. von 5 Kindern in der Ledergasse 26 in Giengen an der Brenz auf der Schwäbischen Alb in der Nähe von Ulm geboren.

Den Namen Apollonia bekommt Margarete zu Erhren der jüngeren Schwester ihrer Mutter. Apollonia Hähnle die auch ihre Patin wird.
1847 nicht ganz zwei Monate vor Margaretes Geburt heiratete Apollonia Hähnle den wohlhabenden 24 Jahre älteren Müller Johann Jakob Hähnle. Johann Jakob ist der Cousin von Apollonia's Vater Bartolomäus Hähnle.
Für den Klingelmüller ist es die dritte Ehe. Er bringt acht Kinder (Johann, Melchior, Georg, Michael, Christine, Markus) aus zweiter Ehe mit. 


1851 wird ihre gemeinsame Tochter Anna Maria geboren, wird sie von allen nur Marie genannt. 

Margaretes Eltern, der Zimmermannssohn und Maurermeister (auch Baumeister oder Werkmeister) Friedrich geboren
1816 ( bis 15. August 1894 Giengen) in Geislingen an der Steige und Maria Margarete Steiff geborene Hähnle, verwitwete Wulz gehörten der Arbeiterklasse an.

Maria Margarete Steiff (*1815 bis 30.Dezember 1889) erbt von ihrem verstorbenen Mann Johann Georg Wulz ein Wohnhaus und das Baugeschäft in dem Friedrich Steiff erst Geselle und nach dem Tod des Meisters Wulz auch Werkmeister war. 
Bereits mit 26 Jahren war sie Witwe geworden, Johann war beim Dachdecken am 16. Mai 1841 vom Dach der Kannenbrauerei des Schwiegervaters, gefallen. Maria Margarete hatte mit Johann zwei Buben, keines der Kinder überlebte das erste Lebensjahr.

Nach einer angemessenen Trauerzeit heiraten Friedrich und Maria Margarete am 9. Mai 1843, zwei Jahre nach dem Tod Johann's. 

Margarete und ihre Geschwister Marie (Februar 1844-1879), Pauline (November 1845-1912) und Friedrich (Dezember 1848- März 1900) werden mit aller Strenge erzogen. Am 24. Juli 1854, genau sieben Jahre nach Margarete, wird Margaretes kleine Schwester Elisabeth geboren, leider stirbt sie nicht ganz 14 Tage nach ihrer Geburt, für Mutter Steiff ist es die 8. Geburt.
Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch.

Es ist keine gute Zeit und der Vater hat Mühe seine Familie ausreichend zu versorgen. Die Mutter hilft im Baugeschäft, verdient sich nebenbei mit Handarbeiten, arbeitet auf dem Feld und im Garten, versorgt die Kinder und den Haushalt. Vergnügen und Freude sind Fremdwörter für die schwer arbeitende Mutter. Es sind unruhige und harte Zeiten in denen von Revolution und Plünderung überschatteten Baden Württemberg, die "Woge der Franzosenangst" erreicht Giengen.

Schon früh werden die Eltern auf eine harte Probe gestellt, mit 18 Monaten erkrankt Margarete schwer bekommt hohes Fieber und ist danach teilweise gelähmt, der linke Fuß vollkommen, der rechte stark eingeschränkt. Vor allem ihre rechte Hand ist von der Krankheit schwer beeinträchtigt und deutlich schwach. Die Mutter fährt mit der kleinen Margarete von Arzt zu Arzt, aber keiner kann der Kleinen helfen. Schon bald wird klar, das Margarete kein normales Leben führen wird.
Als Margarete vier Jahre alt ist sucht die Mutter mit ihr einen Arzt in Ulm auf. Dieser Mann gilt zu jener Zeit als Koryphäe und stellt 1851 die Diagnose Poliomyelitis.



Ledergasse

"Tragt mich auf die Gasse"
Die Orte der Kindheit in Margaretes Leben sind die Stube der Großeltern Bratolomäus und Anna Maria Hähnle und "ihre Straße" die Ledergasse. Das Wirtshaus zur Kanne mit angeschlossener Brauerei gehört den Großeltern.

Gern ist sie draußen, sitzt in ihrem Wägelchen bei Wind und Wetter, nur hier fühlt sie sich nicht eingeschränkt. Bloß nicht in der Stube hocken!
 Da man zu jener Zeit nicht einfach so in den Tag hinein leben konnte, hatte jeder von Kindesbeinen an seine Aufgaben. Kinderarbeit war im 18./19. Jahrhundert eine wichtige gesellschaftliche Notwendigkeit. Viele Hände mussten schaffen um die Familie zu ernähren. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.

Schon früh wird auch Margarete angehalten zu arbeiten. Sie lernt Häckeln, mehr schlecht als recht gelingt ihr hier das Werk. Das verhasste Häckeln ist schmerzhaft und macht müde. Die Flucht davor gelingt nur, wenn sie im Wägelchen auf der Gasse sitzt. Hier hütet sie dann die kleinen Kinder. Bis zu drei haben bei Margarete Platz. Sie singt und erzählt den Kleinen Geschichten. Eine bessere Babysitterin konnte man sich gar nicht wünschen. Viel Lob bekommt sie dafür.

1851 wird bei ihr Kinderlähmung diagnostiziert.
1853 kommt Margarete in die Schule, die Mutter will es so. Das Kind soll nicht hinter den anderen zurückstehen. Mit Ehrgeiz und Fleiß und nicht zuletzt mit viel harter Arbeit und Organisationstalent schafft sie es schließlich mit guten Noten in der Schule zu glänzen. 

1855 hört man wahre Wunderdinge von Dr. August Hermann Werner (1808-1882), dem Gründer der Wernschen Kinderheilanstalt, er verhilft gelähmten Kindern durch eine Operation und Kuren wieder zum gehen.

 
 Man darf nichts unversucht lassen, so stellt Familie Steiff ein Aufnahmegesuch an die Klinik in Ludwigsburg.

1856 nachdem dem Aufnahmegesuch für sechs Wochen entsprochen wurde, das Geld für Fahrkarte und die Unkosten mühsam zusammengebracht ist, fährt Margarete im Sommer 1856 als neunjährige, nach Ludwigsburg. Mitzubringen sind: Bettwäsche, ein Schwamm, ein neuer Kamm oder anstelle der Sachen 36 Kreuzer in bar, ferner ein Tauf-, Impf- und Heimatschein, wenn möglich die Krankengeschichte, einen Bericht über mögliche Ursachen/Auslöser der Krankheit und eine Auflistung der bisher angewanden Heilmittel.

"Das Gretele kommt bis nach Ludwigsburg" tröstet sie sich selbst, als sie am Morgen um 2 Uhr mit der Mutter den Pferdeomnibus, die Reise auf unbefestigten Wegen ist beschwerlich und lang, zum Dampfross nach Stuttgart besteigt. Von hier aus geht die Reise weiter nach Ludwigsburg, wo sie gegen Mittag am Bahnhof ankommen. 

Dr. Werner hat mit seiner Frau Karoline (geb. Gmelin) elf (neun lebende) Kinder, hier wird Margarete in die Familie aufgenommen und erfährt das erste mal die Unbeschwertheit und Fröhlichkeit des Familienlebens in gut bürgerlichen Verhältnissen. Die lebhafte Margarete lebt in der Familie richtig auf, sie genießt den liebevollen Umgang und die Freiheit die sie sonst nur auf "ihrer Straße" der Ledergasse fand.

Margarete wird operiert, bekommt Bäder und Gipsverbände, alles bleibt ohne Erfolg. Sie kommt zur Kur nach Wildbad im Schwarzwald hier in Herrenhilfe (am linken Enzufer gelegen) wohnt sie mit anderen kranken Kindern, nach Katharinenstift dem Armenbad fährt man täglich mit dem Pferdefuhrwerk zu den Anwendungen. Katharinenstift und Herrenhilfe sind Wohltätigkeitsanstalten.

 

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Update 20. Oktober 2020

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